40 Jahre Star Trek
Es ist nunmehr 40 Jahre her, dass Gene Roddenberry seine Vision von einer geeinten Menschheit realisierte, die gemeinsam mutig die Sterne erforscht und dabei in Galaxien vordringt, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Seit dieser ersten Serie ist viel geschehen, doch selbst nach Gene Roddenberrys Tod wurde Star Trek in seinem Sinne weitergeführt. Seit dem ersten Tag stehen die Charaktere und ihre Handlungen, ihre Reaktionen auf außergewöhnliche Situationen, im Vordergrund. Immer wieder werden kontroverse Themen behandelt, und die Charaktere versuchen stets, den moralischen, richtigen Weg zu gehen. Manchmal müssen sie das Schicksal von Tausenden gegen das Schicksal von Millionen abwiegen und äußerst schwere Entscheidungen treffen. Sie müssen ihre eigenen Vorurteile besiegen und werden auf harte Proben gestellt. Das ist der Grund, warum Star Trek seit 40 Jahren so erfolgreich und beliebt ist: trotz aller Technik steht der Mensch im Mittelpunkt; und manchmal auch der Vulkanier, der Klingone, der Bajoraner, der Cardassianer, der Andorianer...
Star Trek: The Original Series

Von links nach rechts: Spock, Hikaru Sulu, Pavel Chekov, James Kirk, Montgomery Scott, Dr. Leonard McCoy, Uhura
Wer kennt sie nicht? Captain Kirk, Mr. Spock, Bones und Scotty. Die klassische Brücken-Crew der Enterprise NCC 1701 (und später der NCC 1701-A). In den 60er Jahren gedreht, ist diese Serie durchaus mutig in neue Welten aufgebrochen. Für damalige Verhältnisse undenkbar arbeiteten nicht nur Menschen vieler verschiedener Nationalitäten nebeneinander, sondern auch Frauen bekamen führende Rollen. Gene Roddenberry erinnert sich zum Pilotfilm "The Cage":
"Damals hatte noch niemand den Begriff "Frauenrechte" gehört, und ich setzte eine Frau auf den Sitz des Ersten Offiziers! Darüberhinaus verlangte mein Skript von der Schauspielerin, Majel Barret, die Figur als hochüberlegene Frau mit analytischem Verstand zu spielen. [Schmunzelnd] Man hätte erwarten können, dass die Frauen, die bei der Testvorführung anwesend waren, sich über diesen Charakter freuen würden, doch stattdessen riefen sie: "Was denkt die nur, wer sie ist?"
Weiterhin entsann er sich, dass der Sender von den "Gefahren" sprach, verschiedene Rassen zu vermischen, und dass es "Hatemail" und Drohbriefe regnen, vielleicht sogar Sponsoren verjagen würde;
"In all den Star Trek-Jahren bekamen wir nicht einen einzigen Brief dieser Art. Nicht einen einzigen. Menschen sind zu so viel mehr imstande als wir bisher glauben. Wir sind schon großartig!"
Getreu diesen Worten erlebten Kirk, Spock et al viele Abenteuer und trieben die geistigen Grenzen der Zuschauer immer weiter, wie ein wahrer Pionier. Sie blieben sich und der bestmöglichen menschlichen Moral stets treu, ob sie es nun mit Andorianern, Orionern oder gar vermeintlichen Göttern zu tun bekamen. Für damalige Verhältnisse war Star Trek seiner Zeit Lichtjahre voraus. Und in fast keiner Folge darf der Running Gag von 'Bones', Doctor Leonard McCoy, fehlen: "Ich bin ein Doktor und kein...", wenn er wieder einmal eine Aufgabe erhält, die über den medizinischen Bereich hinaus geht. Außerdem kam in jeder Folge mindestens einmal der Satz: "Er ist tot, Jim" vor, denn die Originalserie hatte einen unglaublichen Verschleiß an Bodenpersonal, was unter den Fans auch als "Red Shirt Syndrome" bekannt wurde, da die Nebendarsteller fast ausschließlich rote Shirts trugen, also zu den technischen, bzw. Sicherheits-Offizieren gehörten.
Erwähnenswert ist noch, dass bei dieser alten Serie der Geschmack des Deutschen und Amerikanischen Publikums anscheinend sehr unterschiedlich war, zumindest in der Meinung der Deutschen Übersetzer. Ebenso wie bei anderen Serien und Filmen aus der Zeit versahen sie die Charaktere mit sehr viel flapsigeren Ausdrücken, die der Originalserie hier in Deutschland den Ernst nahm, mit dem sie gedreht wurde. Scotty sprach wiederholt recht respektlos mit dem Captain, und Spock hatte regelmäßig recht sarkastische Bemerkungen auf den Lippen, für einen Vulkanier eigentlich nicht denkbar.
Star Trek: The Next Generation

Von links nach rechts: Wesley Crusher, William Riker, Data, Deanna Troy, Jean-Luc Picard, Worf, Beverly Crusher, Geordi LaForge
Das nächste Jahrhundert spielt tatsächlich etwa hundert Jahre nach der Originalserie. Das Raumschiff ist wieder die Enterprise, allerdings die NCC 1701-D, und um einiges größer und geräumiger als die alte Enterprise; fast schon eine kleine Stadt im Weltraum, mit mehr als Tausend Menschen an Bord. Das Flaggschiff der Föderation folgt weiterhin der Mission, die auch die erste Enterprise hatte: "to boldly go where no man has gone before". Die Brücke ist um einiges gewachsen und bietet nun auch Arbeitsraum für weitere Offiziere, so zum Beispiel einen taktischen Offizier und einen psychologischen Berater. Auch hier geht Star Trek neue Wege und fordert den Geist des Zuschauers erneut auf, die Grenzen zu überschreiten: der taktische Offizier ist ein Klingone, ein Angehöriger jener Rasse, die zu Zeiten Kirks und Spocks noch Erzfeinde der Föderation waren, der Wissenschaftsoffizier ist ein Androide mit dem passenden Namen "Data", und die Beraterin kann dank der Rasse ihrer Mutter Gefühle anderer Wesen wahrnehmen. Lachend erzählt Marina Sirtis, die Schauspielerin, die die Beraterin Deanna Troy spielte:
"Der Satz, den ich eigentlich am meisten sagen musste, war: 'Captain, ich spüre etwas...'; dann kam noch eine Empfindung dazu - Angst, Trauer, Freude - und ich musste dabei die Augen schließen und hochkonzentriert aussehen!"
Wo in der Originalserie die Idee von allmächtigen Wesen nur gestreift wurde, taucht im nächsten Jahrhundert sozusagen ein wiederkehrender Erzfeind, oder besser: Erzkritiker, auf: Q aus dem Q-Kontinuum. Wesen wie er brauchen nur etwas denken, und schon wird es Realität. Wiederholt versucht Q der Besatzung der Enterprise, insbesondere dem Captain, zu beweisen, dass die Menschheit zu primitiv ist, um die Sterne zu erforschen. Der Captain ist allerdings nicht so leicht zu beeindrucken. Captain Jean-Luc Picard hat das Herz eines Entdeckers und die Seele eines Poeten, wie ein Crewmitglied in ihrer Abschiedsrede sagt, und das stellt er wiederholt unter Beweis. Mit Zitaten von Shakespeare und unglaublicher Reife und Einsicht behauptet er sich nicht nur gegen Q, sondern auch gegen andere Gefahren und mächtige Wesen. Stets stellt er sich und sein eigenes Leben zurück, wenn es darum geht, ein anderes zu schützen. Mit weisen Worten wie: "Solange Gesetze absolut sind, kann es keine Gerechtigkeit geben" rettet er den Sohn der Bordärztin vor der Todesstrafe.
Auch in anderen Belangen ist das nächste Jahrhundert ein wenig reifer geworden. Wo Kirk noch mit den Fäusten verhandelt hat, greift Picard auf reifliche Überlegung und die Meinung seiner Brückencrew zurück. Die Enterprise besitzt nun ein Holodeck, einen Raum, in dem mit Energie jede bekannte Materie imitiert und somit Szenerien und Wesen jeder Art erzeugt werden können.
Im nächsten Jahrhundert findet auch die bislang erste Begegnung mit den Borg statt, ein Gegner, der die Föderation völlig unvorbereitet trifft und ihr große Verluste zufügt. Mehr als einmal wird die Enterprise fast vollständig zerstört, bevor ihre Crew einen Weg findet, das Unheil abzuwenden. Der Android Data begegnet seinem "Bruder", dem Androiden "Lore", der vor ihm gebaut und sich als "zu menschlich" herausstellte, und er findet seinen "Erzeuger", den inzwischen sehr alten Wissenschaftler Dr. Noonien Soong. Lore hat von seinem "Vater" Gefühle bekommen und genießt diese in vollen Zügen, insbesondere die niederen Gefühle wie Habgier und Verachtung. Er stellt sich auch mehrfach als würdiger Gegner heraus und verbündet sich an einer Stelle sogar mit dem Borg-Kollektiv.
Star Trek: Deep Space Nine

Von links nach rechts: Quark, Worf, Kira Noris, Jake Sisko, Benjamin Sisko, Dr. Julian Bashir, Jadzia Dax, Odo, Miles O'Brian
Gene Roddenberry ist inzwschen leider von uns gegangen, doch die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga machen in seinem Geiste weiter und halten Star Trek am Leben. Sie wollen neue Geschichten erzählen, diesmal immer am gleichen Ort: einer Raumstation tief in den Weiten des Alls, deshalb Deep Space Nine: Die neunte ihrer Art. Was zunächst im Vergleich zu der bisherigen Mission der Raumschiffe Enterprise recht monoton klingt, hält die Zuschauer dann doch für 7 Staffeln vor den Bildschirm gebannt. Auch hier gilt das alte Credo Gene Roddenberrys: der Charakter und seine Entwicklung steht im Vordergrund. Commander Benjamin Sisko unterscheidet sich sehr von Captain Picard. Q formuliert es treffend, denn der erschien auch einmal auf der Raumstation. Nachdem Sisko genug hatte von diesem allmächtigen Kleinkind, verpaßte er ihm in bester Kirk-Manier einen rechten Haken, woraufhin sich Q entsetzt das Kinn rieb und weinerlich sagte: "Sie haben mich gehauen! Picard hat mich nie gehauen!"
Auch die anderen Charaktere sowie die politische Platzierung der Station ist sehr interessant. Zwischen Bajor und Cardassia, zwei befeindeten Rassen, bewacht sie das einzig bekannte stabile Wurmloch im Alpha-Quadranten. Friedliche Verhandlungen über Benutzungsrechte sollen hier geführt werden, doch das Unternehmen endet, bevor es beginnen kann: man findet heraus, dass das "andere Ende" des Wurmlochs instabil ist.
Man könnte meinen, dass die Geschichte hier endet, doch es gibt noch viel zu erzählen über die Besatzung der Station. Zusammen mit dem ehemaligen "Transporter Chief" der Enterprise, Miles O'Brien, dem jungen und dynamischen Arzt Dr. Bashir, dem einzigartigen Gestaltwandler Constable Odo, dem bajoranischen Major Kira und auch seinem Sohn erlebt Sisko hier viele Abenteuer. Zunächst beschäftigt sich die Raumstation damit, den wieder aufkeimenden Konflikt zwischen den Bajoranern und den Cardassianern zu schlichten, und später finden sich weitere Gegner, hauptsächlich in der Form der Maquis, einer Geheimorganisation, und der Rasse des Gestaltwandlers, die aus dem Delta-Quadranten kommt und dort als Göttheit verehrt wird. Der Dominion-Krieg geht als einer der größten Konflikte in die Geschichte der Föderation ein.
Und wieder schaffen es die Produzenten, die Charaktere die Geschichte erzählen zu lassen. Die Beziehungen der Charaktere untereinander treiben die Geschichte zum Teil von alleine voran, ein Markenzeichen aller Star Trek-Serien. Wieder wird dem Zuschauer der Geist ein wenig erweitert, einerseits mit dem seltsamen Gestaltwandler, und andererseits mit den komplizierten Konflikt zwischen Cardassia und Bajor sowie zwischen der Föderation und den Maquis, die eigentlich aus ehemaligen Angehörigen der Sternenflotte und einigen Zivilisten besteht. Es gibt hier kein ausschließliches gut und böse, und mehr als einmal findet sich der Zuschauer zwischen dem Konflikt und ist sich nicht sicher, für wen er jetzt eigentlich empfinden soll.
Erwähnenswert ist hier, dass sich die Erzählweise bei Deep Space Nine sehr stark verändert hat. Wo die Geschichten Star Treks bislang sehr episodenhaft erzählt wurden bemühte sich Deep Space Nine um einen großen "Story Arc", der die einzelnen Episoden miteinander verbindet und eine noch größere Geschichte als die der einzelnen Episoden offenbart. Dies war in dieser Form bisher nicht so deutlich zu sehen; natürlich gab es bei den Enterprise-Geschichten wiederkehrende Charaktere, doch es gab keine Hintergrundgeschichte, keinen roten Faden, der sich durch die gesamte Geschichte zog. Deep Space Nine wollte in alter Manier auch so fortführen, was die ersten zwei Staffeln zeigen, doch nachdem zu der Zeit eine andere Serie über eine Raumstation namens Babylon 5 anlief, die von vornherein auf eine einzige Geschichte, die in 5 Staffeln erzählt werden sollte, ausgelegt war, musste sich Deep Space Nine ein wenig umsehen. Dies stellte sich allerdings durchaus als Vorteil heraus, denn letztendlich schafften es die Produzenten und Autoren, mehrere rote Fäden der Hauptcharaktere in die Geschichte einzuflechten und sie sehr elegant miteinander zu verbinden.
Star Trek Voyager

Von links nach rechts: Seven of Nine, Harry Kim, Chakotay, Doctor, Kathryn Janeway, Tuvok, Tom Paris, Neelix, Be'Elanna Torres
Noch einmal wollte man keine hundert Jahre in die Zukunft springen, und zu der Zeit, wo die Enterprise-D noch aktiv war, sollte es kein zweites Schiff mit diesem Namen geben, daher musste ein neuer her. Sehr prophetisch heißt dieses neue Raumschiff die "Reisende" - Voyager. Die Pilotfolge erzählt, wie die Voyager ein flüchtendes Maquis-Schiff verfolgt und dabei in ein Gebiet vordringt, welches gefährlich und wenig erforscht ist. Beide Schiffe werden von einer unbekannten Energiewelle 70.000 Lichtjahre weit in den Delta-Quadranten geschleudert - mehrere hundert Jahre von zuhause entfernt, selbst mit maximalem Warp-Antrieb.
Wieder geht Star Trek neue, ungewohnte Wege. Bei Voyager verbünden sich die Offiziere der beiden Schiffe und versuchen fortan gemeinsam wieder nach Hause zu kommen. Da das Schiff der Maquis zu stark beschädigt wurde, dienen die Offiziere der Maquis nun unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway. Wieder begegnen wir neuen "Aliens", und wieder haben wir eine völlig neue Art von "Leben": das medizinische Holografische Notfallprogramm (MHN). Da der Arzt der Voyager bei dem Angriff ums Leben kam, muss die Besatzung auf ein dredimensionales Computerprogramm, welches in der Form eines Besatzungsmitgliedes erscheint, zurückgreifen. Zunächst kaum mehr als ein Computer, entwickelt dieses Programm, welches laut eigener Aussage eigentlich "nicht für längerfristige Benutzung ausgelegt ist", eine ausgesprochene Persönlichkeit, und schafft es irgendwann auch, die Standardbegrüßung bei der Aktivierung, "Bitte nennen sie die Art des medizinischen Notfalls", abzulegen.
Star Trek Voyager ist insofern von vornherein anders, als dass es sozusagen einen "gegebenen" roten Faden hat, den man der Serie erst zum Schluss nehmen kann: sie wollen nach Hause. Darauf basiert diese Serie auch, und nach wie vor erzählen die einzelnen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander die Geschichte, mehr noch, weil hier eigentlich feindlich gesonnene Fraktionen aufeinander treffen und gemeinsam einen Weg finden müssen.
Star Trek Enterprise

Von links nach rechts: Malcom Reed, T'Pol, Travis Mayweather, Jonathan Archer, Hoshi Sato, Charles Tuker III, Dr. Phlox
Nach einiger Zeit der Ruhe um Star Trek kehrten die Produzenten mit einer weiteren neuen, alten Idee zurück: der Prequel-Serie. Sie wollten nicht noch weiter in die Zukunft, und sie wollten auch nicht die etablierte Zukunft weiter ausbauen, aus ihrer Sicht wurden die Geschichten schon alle erzählt. Viel mehr zog es sie in die Entdeckertage zurück, zu der die Menschheit gerade erst mit der Erforschung des Weltraumes begann: hundert Jahre VOR Kirk und Spock, also vor der Originalserie. Das Raumschiff, um das es diesmal geht, ist wieder einmal die Enterprise, diesmal allerdings wirklich das erste Raumschiff dieses Namens, keinesfalls jedoch das erste Schiff dieses Namens, wie die sehr schön gemalten Bilder in der Kabine des Captains untermalen. Dieses Mal ist es auch keine NCC 1701, sondern die NX 01, das erste Sternenschiff mit Warp 5-Antrieb und der ganze Stolz der gerade erst entstandenen Sternenflotte.
Die Brückencrew bietet dieses Mal keine großen Überraschungen. Eine neue Rasse, die Denubianer, wird vorgestellt, in Form des Schiffsarztes Dr. Phlox, und der Wissenschaftsoffizier ist eine Vulkanierin, Subcommander T'Pol. Der Rest der Besatzung besteht aus Menschen, doch hier wurde natürlich wieder darauf geachtet, mehrere Nationalitäten zusammen zu bringen. Der Sicherheitsoffizier, Lieutenant Malcolm Reed, ist ein Engländer (was in der Deutschen Übersetzung wahrscheinlich nicht so deutlich wird, doch seine Hintergrundgeschichte wird auch mehrfach berührt, so dass man es anhand dessen erkennen kann), der Kommunikationsoffizier, Ensign Hoshi Sato, hat deutlich asiatische Züge, und der Techniker, Commander Charles "Trip" Tucker III., ist ein Texaner, wie er im Buche steht, mit Temperament und gekautem Dialekt (der in der Synchronisation natürlich auch verloren geht).
Die Produzenten und Autoren trafen hier einige zunächst sehr kontroverse Entscheidungen, die sich allerdings trotz einiger Gegner als sehr erfolgreich herausstellte: zum Beispiel unterschieden sich die Vulkanier doch sehr stark von ihren späteren und wohlbekannten Gegenstücken. Mehr noch als in der bekannten Star Trek-Zeit sind die Vulkanier hier keinesfalls die perfekten Wesen, voller Vorurteile und Ängste, die sie natürlich niemals zugäben. Die Klingonen tauchen hier auch (geschichtlich gesehen) das erste Mal für die Menschen auf. Zunächst ein riskanter Schachzug der Produzenten, der sich aber später als Geniestreich erweisen sollte, sowie ein "temporaler kalter Krieg", also ein Krieg, der durch die Zeit hindurch geführt wird. Eine neue Rasse, die Suliban, erhalten ihre Anweisungen aus der Zukunft und werden mit fortschrittlicher Biotechnik belohnt, die ihnen ungeahnte Vorteile in der Spionage und im Kampf ermöglichen.
Die Serie wurde zunächst skeptisch beäugt, und das zu Recht: der temporale kalte Krieg klingt einfach zu weit her geholt, und warum hat man davon nichts in der geschichtlichen Zukunft, also den alten Folgen, gehört? Dennoch setzt die Geschichte mehrere Haken im Verlauf der 4 Staffeln und erklärt, warum gerade diese Epoche der Hauptangriffspunkt der "Bösewichter aus der Zukunft" bietet. Was Enterprise allerdings besonders hervorhebt ist die Epoche, die wiedergegeben wird. Wahrer Pioniergeist, der nicht immer kontrolliert ausgelebt wird, und auch viele menschliche Vorurteile, die erst noch als solche erkannt werden müssen, damit man sie ausmerzen kann, spielen hier die Hauptrolle. Captain Jonathan Archer ist Kirk charakterlich näher als Picard, und muss wiederholt sehr schwere Entscheidungen treffen, um seine Crew und sogar die gesamte Menschheit zu retten.
Die wahre Herausforderung für die Produzenten jedoch war hier, die uns bekannte neue Technik so zu verwenden, dass die viel ältere NX 01 nicht viel moderner als die NCC 1701 der Originalserie aussah, ein Raumschiff, welches von den Set Designern vor über 30 Jahren gestaltet wurde. Die Technik unserer Welt hat im Vergleich wahre Quantensprünge gemacht, und wenn wir heute die Originalserie drehten, so hätte sie viel mehr ausgefeilte fiktive Technik an Bord. Trotz dieser Schwierigkeiten schafft es die Serie, das Gefühl zu vermitteln, man befindet sich hundert Jahre vor Kirk wieder, zur wahren Pionierzeit.